Gesprächskreis in den Asklepios Kliniken Schildautal in Seesen

Gesprächskreis mit Prof. Dr. med. Mark Obermann – Welchen Einfluss hat Sport auf die Regeneration geschädigter Nerven?

Am 27. Oktober 2017 besuchte die Deutsche GBS CIDP Initiative die Asklepios Kliniken Schildautal in Seesen, um dort einen Informationsnachmittag anzubieten.

Seesen liegt im Landkreis Goslar an den nordwestlichen Ausläufern des Harzes zwischen Göttingen und Salzgitter. Das Klinikzentrum selbst befindet sich in reizvoller und waldreicher Umgebung.

Das Zentrum für Neurologie (Kliniken für Neurologie, Neurologische Frührehabilitation, Neurologische Rehabilitation), die Kliniken für Neurochirurgie, Gefäßchirurgie, Allgemein- und Unfallchirurgie, Innere Medizin und Intensivmedizin und das Zentrum für Radiologie bilden einen synergistischen ineinandergreifenden Verbund. Hier sind mehr als 1.100 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Klinik behandelt das gesamte Spektrum neurologischer Erkrankungen und ist heute eine der größten neurologischen Fachabteilungen Deutschlands.

Im barrierefrei erreichbaren Seminarraum begrüßte Herr Prof. Dr. med. Mark Obermann, Direktor des Zentrums für Neurologie,  den zwar kleinen, aber überaus interessierten und fachlich durchaus gut vorbereiteten Kreis Betroffener und deren Angehörige. Daher ging Herr Prof. Obermann nach einer kurzen Vorstellung seiner Klinik auch sofort in das detaillierte Gespräch mit den Anwesenden über.

In der Hauptsache ging es um die Themen:

  • Nervennährstoffe
  • Regeneration der verloren gegangenen Nervenzellfunktionen durch eine regelmäßige, sportliche Betätigung

Geschädigte Nervenfasern des peripheren Nervensystems haben durchaus die Fähigkeit zur Regeneration. Sie tun dies mit einer Geschwindigkeit von 2 bis 3 mm/Tag bei kleineren Nerven und bis zu 5 mm/Tag bei größeren Nerven. Die Fasern wachsen also nach. Der Nerv wird vom Axon wieder aufgebaut. Dies wird durch verschiedene chemisch wirksame Substanzen, die sich im Körper befinden, unterstützt, bis die Nervenfasern ihre alten Funktionen ganz oder teilweise wieder aufnehmen können. Bei sehr schweren Schäden des peripheren Nervensystems ist eine Regeneration von Nervenzellen jedoch oftmals nur sehr schwer oder gar nicht möglich.

Man kann versuchen diesen Reparaturmechanismus durch Nervennährstoffe zu unterstützen. Zum Beispiel mit Hilfe von sogenannten Nervenbausteinen wie dem Pyrimidin-Nukleotid Uridinmono-phosphat (UMP)- UMP beschleunigt biochemisch den Wiederaufbau neuronaler Membranbestandteile.

Es gibt aber noch weitere Substanzen, die für die Regeneration der Nervenzellen wichtig sind.
Dazu gehören

  • Alpha-Liponsäure,
  • Vitamin B1, B6, B 12
  • Folsäure.

Abschließend ging Herr Prof. Dr. med. Obermann auf folgende Frage ein:

Welchen Einfluss hat Sport auf die Regeneration geschädigter Nerven?

Sport hat auf unser zentrales und auch auf das periphere Nervensystem einen außerordentlich großen Einfluss. Das Nervensystem ist das komplizierteste unserer körperlichen Netzwerke.  Durch unser Nervensystem können wir Kontakt zur Umwelt aufnehmen, wir benötigen es auch zur Bewältigung unseres Alltags. Es macht es uns möglich uns zu bewegen, zu laufen, zu sitzen, zu gehen und so weiter. Auch bei der Reizweiterleitung spielt unser Nervensystem eine gewichtige Rolle. Wir spüren Kälte, Wärme, hören Geräusche, nehmen optische Eindrücke auf und empfinden Schmerzen.

Regelmäßig durchgeführter Sport lässt den Sauerstoffgehalt im Körper stark ansteigen. Davon profitieren die Muskeln ebenso wie das Gehirn. Wir erreichen eine Verbesserung der Denkprozesse, die Vergesslichkeit lässt nach und  wir lernen schneller.

Bewegungsabläufe fallen uns leichter und wir reagieren zügiger  auf unvorhergesehene Ereignisse. Auch der Gleichgewichtssinn wird gestärkt.

Wichtig:

Je anspruchsvoller der Sport ist, desto mehr profitieren wir und verbessern die regenerativen Fähigkeiten des Nervensystems.

Dem menschlichen Körper ist es sein ganzes Leben lang möglich neue Nervenzellen herzustellen.  Doch es zählt nicht nur die Menge der Nervenzellen, ihre Zusammenarbeit muss auch gut funktionieren und dazu müssen sich so viele Synapsen wie möglich entwickeln. Erlernen wir immer wieder neue Bewegungsabläufe, bildet das Nervensystem besonders viele Synapsen. So können sich also richtige Nervennetze ausdehnen.

Bei Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben, hat man eindeutig nachgewiesen, dass sie von diesen Nervennetzen enorm profitieren. Sie erholen sich deutlich schneller von den entstandenen Nervenschädigungen und haben eine wesentlich größere Chance  ein selbstbestimmtes Leben zu führen als das bei untrainierten Personen der Fall ist.

Hinzu kommt, das sportliche Betätigung bei Tag und an der frischen Luft den Schlaf verbessert und Schlafstörungen vermeiden hilft. Dadurch verlängert sich die REM Phase, die für Erholung sorgt. Oxidativer Stress kann leichter abgebaut werden.

Sehr wichtig sind auch ein verbessertes Körpergefühl und die Ausschüttung von Glückshormonen, die man durch sportliche Betätigung erreicht. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen. Psychiater in den USA haben daher vielfach schon die Couch gegen ein Laufband eingetauscht, um diesen positiven Effekt für ihre Therapien zu nutzen.

Die Befürchtung sich zu überlasten ist unbegründet, solange man auf seinen Körper hört. Er sagt es einem unmissverständlich, wenn es ihm zu viel wird.

Wir sagen Dankeschön:

Herr Prof. Obermann hat uns sehr herzlich empfangen und uns mit seiner menschlichen, unkomplizierten Art begeistert. So waren Hemmschwellen schnell abgebaut und wir konnten spontan drauflos  fragen.

Danke an Frau Kölling, die Dame im Hintergrund, welche die Fäden der Organisation in der Hand hielt.

Vielen Dank an Herrn Klatt, der mit seinem Team für unser leibliches Wohl sorgte.

Sabine Nett, Schriftführerin
Heinz-Dieter Campa, 2. Vorsitzender

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