Gesprächsrunde im Neurologischen Rehabilitationszentrum Friedehorst

Unsere Themen:

Hilft Akupunktur bei neuropathischen Schmerzen?

Verordnung von Physiotherapie – Das sollten Sie beachten

Fatigue und autoimmun-entzündliche Erkrankung

Am 20.04.18 führte unser Weg uns nach Bremen. Das NRZ Friedehorst hatte die Türen des Konferenzraumes geöffnet, der sich bis zum Beginn der Veranstaltung um 15.00 Uhr mit zahlreichen Interessierten gefüllt hatte.

Nach der Begrüßung durch den 2. Vorsitzenden der Deutschen GBS CIDP Initiative begann der Chefarzt der Neurologie Dr. med. René Kakos mit seinem Vortrag zum Thema „Neuropathischer Schmerz“. Er ging unter anderem auf Migräne, Neuralgien, Trigeminusneuralgie, Schmerzen nach Schlaganfall und bei Polyneuropathie sowie Schmerzen bei Gürtelrose (Zoster) ein.

 

Danach informierte die Chefärztin der Neuropädiatrie Dr. med. Wiebke Maroske über Neuropathien bei Kindern und Jugendlichen und befasste sich näher mit den autoimmun-entzündlichen Neuropathien wie GBS, CIDP und Varianten.

 

 

Unter den Zuhörern fanden sich neben von GBS und CIDP betroffenen Personen auch an MMN und MADSAM Erkrankte.

Den hochinformativen Nachmittag komplettierte das Team des leitenden Physiotherapeuten Dieter Sesterhenn sowie Diplom-Sporttherapeut Thomas Cordes mit Beiträgen zur Physiotherapie in der Früh.- und Therapiephase nach GBS-Erkrankung sowie Hilfsmittelversorgung, Redressierendes Gipsen und therapeutisches Gipsen, bei entstandenen Kontrakturen. Das Team ging auch auf physiotherapeutische und sporttherapeutische Ansätze in der Spätphase ein und gab praktische Tipps für Zuhause bei Gangunsicherheit und Fallneigung.

Darüber wurde diskutiert:

Neuropathischer Schmerz und Akupunktur

Die Chinesische Medizin sieht den Menschen in seiner Ganzheit. Neben ihrem Anliegen eine Erkrankung zu heilen versucht sie auch der Entstehung schwerer und chronischer Krankheit vorzubeugen. Eine chinesische Heilmethode ist beispielsweise auch die Akupunktur.

Eine anwesende GBS-Betroffene berichtete über ihren Erfolg mit dieser Nadeltherapie, die, ihrem Empfinden nach, eine außerordentlich gute Linderung ihrer neuropathischen Schmerzen erzielen konnte. Vorangegangen waren der Therapie mit Akupunktur zahlreiche Versuche eine Linderung mit den verschiedensten Medikamenten zu erreichen, die aber außer belastenden Nebenwirkungen leider bei ihr keinen Erfolg brachten.

Gut zu wissen:

Unter Umständen werden die Kosten einer solchen Akupunktur-Behandlung auch von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen, wenn chronische Schmerzen diagnostiziert wurden.

Wer die Akupunktur ausprobieren möchte, sollte sich jedoch unbedingt gut umsehen und nur einem Arzt mit mehrjähriger Erfahrung sein Vertrauen schenken.

So können die schulmedizinischen Abklärungen und Untersuchungen vor der Behandlung erfolgen und bei Bedarf schulmedizinische Begleittherapien eingeleitet werden.

Sie sollten auch wissen, dass Akupunktur zwar heilen kann was gestört ist, nicht aber reparieren, was bereits zerstört ist.

Ein weiterer Schwerpunkt des Nachmittags ging auf das Prinzip der Heilmittelverordnung ein.

Sie regelt die Versorgung der Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung mit Heilmitteln, wie Krankengymnastik, Ergotherapie und dergleichen.

Bevor solch eine Verordnung ausgestellt wird, muss sich der Arzt vom Zustand des Patienten überzeugen und diesen dokumentieren. Dies gilt auch für Folgeverordnungen.

Der Heilmittelkatalog zeigt dabei auf, welche Heilmittel in welchen Mengen bei welchen Diagnosen im Regelfall zu einer guten Versorgung des Patienten führen.

Regelfall bedeutet, dass ein Patient als Maßstab genommen wird, der einen typischen Verlauf einer Erkrankung aufweist und das Therapieziel dann erreicht, wenn die im Katalog angegebene Menge der Verordnungen verschrieben wurde.

Das ist aber gerade bei GBS, CIDP und Varianten oft nicht genug, doch viele Ärzte lehnen eine weitere Verordnung ab und begründen dies mit der finanziellen Überlastung eines sogenannten Budgets.

lesen sie hier die Informationen zum langfristigen Heilmittelbedarf, der Heilmittelrichtlinie und dem Genehmigungsverfahren

Doch es gibt die Möglichkeit Verordnungen außerhalb des Regelfalls auszustellen. Sie können einen Antrag bei der Krankenkasse stellen. Das gibt dem verordnenden Arzt Sicherheit.

Die chronisch Erkrankten brauchen keinen Antrag zu stellen. Dauerhaft ist regelmäßige Therapie genehmigt.

Wird von der Krankenkasse nicht innerhalb von 4 Wochen über den Antrag entschieden, gilt dieser automatisch als genehmigt.

Lassen Sie sich aber auch von einer Ablehnung Ihres Antrages nicht abschrecken und bei der weiteren Vorgehensweise von einem kompetenten Arzt unterstützen und wenn nötig auch von einem Sozialverband beraten.

Zum Abschluss wurde die Fatigue angesprochen, die als Begleiterscheinung auch bei autoimmun-entzündlichen Erkrankungen auftreten kann.

Die Diagnose einer Fatigue ist schwer zu stellen, denn man kann sie mit anderen Erkrankungen wie etwa Burnout-Syndrom oder auch einer Depression verwechseln.

Fatigue macht sich beispielsweise durch außerordentliche Müdigkeit, fehlende Energie und ein massiv erhöhtes Ruhebedürfnis bemerkbar. Fatigue lässt sich nicht durch normale Erholung oder Schlaf bessern. Alles fällt schwer, sogar telefonieren, kochen oder Zähne putzen. Konzentrationsstörungen treten auf. Es kommt zu Rückzug und Isolation.

Zur Diagnosefindung existiert eine Vielzahl an Fragebögen.

Zudem folgt eine körperliche Untersuchung, einschließlich einer Blutuntersuchung. Sie kann zum Beispiel eine Blutarmut (Anämie) als Auslöser von Fatigue entlarven.

Das kann man gegen Fatigue tun:

Entspannungstechniken wie autogenes Training
Angepasste Schmerztherapie
Psychotherapie
Medikamente (Antidepressiva, Neuroleptika)
Ernährungsberatung
Körperliches Training unter medizinischer Kontrolle
Atemübungen

Der Nachmittag endete mit einer Führung durch die Therapieräume.

Allen Beteiligten, die für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung Sorge getragen haben, sagen wir herzlichst Dankeschön!

Die besonders herzliche Atmosphäre war den gesamten Nachmittag über spürbar und machte es uns leicht uns wohlzufühlen.

Das Angebot, in den Räumlichkeiten des NRZ Friedehorst zukünftig unsere Patiententreffen abhalten zu dürfen, nehmen wir sehr gerne an.

Heinz-Dieter Campa, 2. Vorsitzender
Sabine Nett, Schriftführerin

Sabine

 

Kommentar hinterlassen