Rumpf ist Trumpf! Eine Form der Therapie, die auch beí Polyneuropathie erfolgreich eingesetzt werden kann

Rumpf ist Trumpf! 

Modern, menschlich, mittendrin, so lautet die Philosophie der Klinik am Rosengarten in Bad Oeynhausen. Das barrierefreie Haus ist eine Fachklinik für die neurologische und orthopädische Rehabilitation. Hier bemüht man sich intensiv darum, die Patienten möglichst ganzheitlich wieder zurück ins Alltags- und Berufsleben zu führen. Dafür sorgen gut ausgebildete Therapeuten, bestens geschultes Pflegepersonal und erfahrene Ärzte, wie Herr Dr. Dr. med. Erwin Wehking, Facharzt für Neurologie und Spezielle Schmerztherapie. Er nahm sich am Freitag den 24. Februar einen ganzen Nachmittag Zeit und verhalf den anwesenden Teilnehmern des Gesprächskreises somit zu einem hochinteressanten Einblick in sein Fachgebiet.

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Dr. Dr. med. Erwin Wehking

Unterstützt wurde er von der Ergotherapeutin Frau Rethmeier, die zahlreiche und sehr nützliche Hilfsmittel vorstellte sowie dem berufserfahrenen Physiotherapeuten Herrn Niggemann. Er erläuterte im Anschluss an den Vortrag von Herrn Dr. Dr. Wehking die verschiedenen Formen der Therapien, welche die Klinik am Rosengarten bevorzugt anbietet.

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Frau Rethmeier

Neben bekannten Therapieformen, wie Bobath, erfuhren wir auch etwas über die Therapie Forced Use, die überwiegend bei Patienten mit Schlaganfall zum Einsatz kommt. Für diese Therapie müssen die Kosten jedoch vom Patienten selbst getragen werden.

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Herr Niggemann

Folgende Therapien bietet die Klinik am Rosengarten an:
Bobath: Diese Form der Therapie beschreibt einen problemlösungsorientierten Zugang zur Befundaufnahme und Behandlung von Individuen mit Störungen von Funktion, Bewegung und Muskelspannung aufgrund einer Verletzung des zentralen Nervensystems.

Dabei wird der Behandlungsprozess individuell auf die bio-psycho-sozialen Bedürfnisse abgestimmt. Ein interaktiver Prozess zwischen der betroffenen Person und dem interdisziplinären Team führt zu einer angemessenen Behandlung innerhalb des 24-Stunden-Tages.

Das Ziel der Behandlung ist die Optimierung von Funktionen. Der fortlaufende Prozess von Befundaufnahme und Behandlung richtet sich sowohl nach vorrangigen Beeinträchtigungen von Funktionen, ebenso wird die verbesserte Kontrolle in die Teilnahme am täglichen Leben integriert. Die Haltungs- und Bewegungsmuster versucht der/ die Therapeut/in während der Behandlung zu optimieren.   PNF-Konzept:

P = propriceptiv – Einsatz der eigenen Rezeptoren(=Fühler)
N = neuromuskulär – Nerv -Muskelsystem
F = Facilitation – Erleichterung, Bahnung.

PNF ist eine ganzheitliche Behandlungsmethode, die den Menschen in seinem physischen, psychischen und sozialen Gefüge sieht. Durch den Einsatz von bestimmten Grundprinzipien und Techniken soll dem Patienten zu einer effektiven motorischen Aktivität und dadurch zu einer besseren Voraussetzung für eine möglichst effiziente Funktionsfähigkeit verholfen werden.

Spiegeltherapie:
Das Spiegeltraining ist ein neues Therapieverfahren für Patienten mit sensomotorischen Störungen und/oder Schmerzen im Bereich Arm und Hand, sei es aufgrund eines Schlaganfalls, einer Sudeck-Erkrankung, einer Nervenschädigung oder für Amputationen (Phantomschmerzen).

Das Prinzip besteht darin, einen Spiegel in der Körpermitte des Patienten auf einem Tisch so zu platzieren, dass die betroffene Extremität hinter dem Spiegel lagert. Der Patient schaut in den Spiegel und sieht dort das Spiegelbild seiner gesunden Extremität, als wäre es die betroffene Seite. Der positive Effekt des Spiegeltrainings ist im Wesentlichen durch zwei Faktoren zu erklären:

Zum einen scheint die Spiegelung die Repräsentation der betroffenen Extremität im Gehirn zu aktivieren – ähnlich den Vorgängen bei mentaler Stimulation von Bewegung (Spiegelneuronen). Darüber hinaus scheint durch dieses Verfahren auch der erlernte Nichtgebrauch der Extremität wegen einer Lähmung oder wegen Schmerzen „durchbrochen“ werden zu können. Weitere Informationen: www.spiegeltherapie.com   Forced-Use:

Die Forced-Use Therapie auch Taub’sche Bewegungstherapie genannt, ist eine Bewegungstherapie für Patienten mit Hemiparese (Halbseitenlähmung) nach Schlaganfall, Hirnblutung und sonstige Hirnverletzungen.   Bei dieser Therapie wird der gesunde Arm in seiner Beweglichkeit durch eine Schiene stark eingeschränkt. Gleichzeitig wird ein tägliches !!! Bewegungstraining mit dem „gelähmten“ Arm durchgeführt. Forced-Use eignet sich auch für das betroffene Bein. Dabei wird heute jedoch darauf geachtet, dass zuerst die stärkeren Gliedmaßen weiter gestärkt werden, und erst dann die schwächeren … zu behandeln.

Bei den oben genannten Therapien steht im Vordergrund die Devise:

Rumpf ist Trumpf! 

Denn der Rumpf ist der Übergang für all unsere Bewegungen und immer daran beteiligt. Er dient als Mittler zum Schutz der Wirbelsäule vor auftretenden Belastungen und beim Sport zur Weiterleitung der auftretenden Kräfte. Er wird ständig gefordert. Das geschieht auch schon beim Sitzen und beim Gehen.

Ein stabiler Rumpf ist also überaus wichtig, denn sonst drohen Schmerzen. Erkennt der Physiotherapeut, dass die Rumpfmuskulatur nicht gut ausgebildet ist und daher die Kräfte geradezu verpuffen und somit eine hohe Belastung der Wirbelsäule, der Bänder und Gelenke entsteht, muss dringend therapiert werden.

Die meisten Rückenschmerzen resultieren tatsächlich aus einer zu schwachen Rumpfmuskulatur. Auch Knie- oder Hüftschmerzen können vom Rumpf ausgehen. 

Für die Ärzte sowie die Therapeuten der Klinik am Rosengarten ist bei all ihrem Wirken die oberste Priorität „menschlich“ im Fördern und Fordern zu sein. Die schonende Wiedereingliederung der Patienten in das Berufs- und Alltagsleben steht dabei immer Vordergrund.

Im Namen der Deutschen GBS – CIDP Initiative e.V. bedanken wir uns sehr herzlich für diesen informativen Nachmittag.

Bad Oeynhausen, im Februar 2017

Sabine Nett und Horst Wöbbeking

Quelle: www.klinkikamrosengarten.de