Bericht vom Schmerzkongress,14. bis 20. Oktober 2017 in Mannheim

„Patienten als Partner“ Schmerzmediziner diskutieren über „Aufgeklärte Patienten“, so die Schlagzeilen in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 13.10.2017.

Und weiter, Zitat, „Der Kongress lebt vom fachübergreifenden Austausch aller Gesundheitsberufe und der Wissenschaftler zur Erkennung und Behandlung von chronischem und akutem Schmerz.“

Und warum lautete das Leitthema „Gemeinsam (Arzt und Patient) entscheiden“? Nach Kongress-präsident Prof. Dr. Matthias Keidel, RHÖN-KLINIKUM, Bad Neustadt, „Ein Patient, der mitentscheidet, ist zuversichtlicher in Bezug auf den Therapieerfolg und motivierter, an der Therapie aktiv teilzunehmen“.

Anmerkung:
Nicht selten gehen auch einfachste Erkenntnisse verloren, um irgendwann wieder – durchaus erfreulich – als „Neu“ entdeckt zu werden.

     Pressekonferenz, v.l.:  Hr.Prof.Dr. Schmelz,  Hr.Prof.Dr. Keidel,  Fr. Arnold (Moderation),  Hr.Prof.Dr. Häuser,  Fr. Dr. Förderreuther,  Hr.Prof.Dr. Straube

Fortbildungseinheiten im wissenschaftlichen Programm, Refresher-Kurse, Workshops und Posterpro-gramm waren auch 2017 die tragenden Elemente des aktuellen Schmerzkongresses. In Verbindung zu Schmerzen bei GBS CIDP standen mehr oder weniger eng die Angebote

„Neuropathisch oder nicht – wie stelle ich die Diagnose?“ und „Wie kann lokale Kälte Schmerz auslösen oder auch reduzieren?“

Hierüber soll in der Folge näher berichtet werden.

„Neuropathisch oder nicht – wie stelle ich die Diagnose?“

Allein von den Fallzahlen her steht unverändert der Neuropathische Schmerz bei Diabetes im Mittel-punkt. Jeder dritte bis vierte der sechs Millionen Diabetiker in Deutschland leidet unter der krankhaften Schädigung der Nerven.

– Vorab und nicht überraschend, nach Frau Prof. Dr. Sommer, Würzburg: „es gibt nichts wirklich Neues zum „Neuropathischen Schmerz“. –

Eine Definition des neuropathischen Schmerzes lautet: Schmerzen, verursacht durch eine Läsion oder Erkrankung des somatosensorischen Systems. (Das somatosensorische System verarbeitet Informa-tionen aus Haut-, Gelenk-, und Muskelrezeptoren und dient damit primär der Wahrnehmung senso-rischer Qualitäten wie Druck, Berührung, Schmerz und Temperatur).

Die diagnostischen Fragestellungen lauten:
Liegen wirklich neuropathische Schmerzen vor?
Welches ist die Ursache?
Wie hoch ist die Schmerzstärke/Beeinträchtigung?
Welche Therapie wird am wahrscheinlichsten helfen?

Bei der Diagnose kommen von der Reflex und Sensorikprüfungen über die Elektroneurographie (Messung der Nervenleitgeschwindigkeit) bis zur Nervenbiopsie die bekannten Verfahren zum Einsatz.

Als Betroffene von GBS oder CIDP kennen wir das.

„Wie kann lokale Kälte Schmerz auslösen oder auch reduzieren?“

(Zusammenfassung der Ausführungen von Herrn Prof. Dr. Schmelz aus dem wissenschaftlichen Programm des Schmerzkongresses und der Pressekonferenz).

Kälte bzw. Wärme wirken unterschiedlich. Bei akutem entzündlichem Schmerz kann man die Stelle, z.B. mit Kältespray (bekannt von Fußballübertragungen) kühlen und lindern.

Wobei bei chronisch entzündlichen Schmerzen eine Wärmebehandlung hilfreich sein kann. Kleine Temperaturänderungen der Haut werden mit besonderen Sensoren wahrgenommen. Diese Sensoren sitzen auf Nervenzellen, die für das Kalt- und Warmempfinden verantwortlich sind. Durch vermehrte Nervensignale von Kaltsensoren und verminderte Signale von Warmsensoren wird die Abkühlung gefühlt. Die Wirkung von Kälte kann von Patienten mit Nervenschmerzen unangenehm, sogar als brennender Schmerz empfunden werden.

Patienten mit Nervenschmerzen können beispielsweise allein durch einen Luftzug starke Schmerzen empfinden. Als Ursache dafür werden Eigenheiten der Zellmembran angesehen.

Nach Prof. Dr. Keidel werden die Wirkmechanismen noch nicht ganz durchschaut, was die Schwierigkeit ausmacht, eine geeignete Therapie gegen die Schmerzen zu finden. Nicht zu vergessen, ein jeder macht seine eigenen Erfahrungen mit Kälte- und Wärmebehandlung. Ganz unwissenschaftlich, eben „ausprobieren“ und merken was einem gut bekommt.

Mit den besten Grüßen aus der Kurpfalz
Hans Steinmassl

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