Patiententreffen in Hamburg – Nervenschmerz, Therapie, Rehabilitation

Der 01.12.2018 war unser Termin für das Patiententreffen mitten im Herzen der Weltstadt Hamburg. Hoch über den Dächern der Metropole, im 13. Stock des Intercity Hotels, traf die Deutsche GBS CIDP Initiative auf sehr interessierte Betroffene und deren Angehörige, denen sehr an einem Austausch untereinander gelegen war. Gerade wenn man von einer seltenen Erkrankung betroffen ist, spielt die Kommunikation untereinander eine überaus wichtige Rolle, die man keinesfalls unterschätzen sollte. Leider sind das Mitteilen und Zuhören von Angesicht zu Angesicht aber heute beinahe gänzlich aus der Mode gekommen. So kommt es immer häufiger dazu, dass man sich in unserer Gesellschaft regelrecht entfremdet.

Einen kleinen Beitrag dazu, dass das Zuhören, mitteilen und Erfahrungen austauschen wieder eine Aufwertung erfahren, haben wir auf jeden Fall an unserem Gesprächsnachmittag geleistet, denn es entwickelten sich schnell lebhafte Diskussionen.

Immer wieder interessant für alle Anwesenden sind Fragen zur Therapie, Hilfsmitteln und zur Rehabilitation sowie zu den verordneten Medikamenten zur Schmerzbekämpfung und den Nebenwirkungen dieser Arzneien. Was nehme ich da eigentlich ein oder warum helfen Medikamente gegen Epilepsie und Depressionen bei Nervenschmerzen, lauteten nur zwei der vielen Fragen an diesem vorweihnachtlichen Nachmittag.

Acht Millionen Menschen leiden bei uns an chronischen Schmerzen. Zwei Millionen davon sind von neuropathischen Schmerzen betroffen. Dazu gehören auch die am GBS, der CIDP oder deren Varianten Leidenden.  Viele der Patienten bemerken sehr schnell, wie schwierig es ist diese Schmerzen zu bekämpfen. Denn die neuropathischen Schmerzen werden durch die Nerven verursacht, die geschädigt sind. Das Nervensystem selbst trägt also eine Schuld an den Beschwerden. Im Gegensatz zu „normalen Schmerzen“ bei denen die Nervenbahnen lediglich die Schmerzreize an das Gehirn weiterleiten. Dementsprechend muss der neuropathische Schmerz auch ganz anders behandelt werden und die bekannten Schmerzmittel helfen meist kaum oder gar nicht. Dagegen können Arzneien, die eigentlich gegen Epilepsie oder Depressionen eingesetzt werden, eine Linderung bringen.  Das Führen eines Schmerztagebuches ist bei solch einer medikamentösen Therapie übrigens sehr hilfreich.

Medikamente gegen Epilepsie wirken gegen krampfartige Anfälle. Der neuropathische Schmerz und eine Epilepsie haben etwas gemeinsam. Beide verursachen eine Übererregbarkeit der Nervenzellen, die eine gehäufte Ausstrahlung von Nervenimpulsen zur Folge hat. Die Medikamente gegen Epilepsie verhindern, dass pausenlos Signale ausgesendet werden und sorgen so für eine gewisse Stabilität. Das reduziert die Schmerzempfindlichkeit und hebt die Schmerzschwelle an. Werden Antidepressiva eingesetzt, nutzt man ebenfalls deren schmerzhemmenden Effekt. Gleichzeitig kann man mit lokalen Betäubungsmitteln, wie wärmenden Pflastern oder Salben, arbeiten. Wenn diese Maßnahmen nicht zur gewünschten Schmerzlinderung führen, können unter Umständen Opiate helfen.

Morphin und seine chemischen Ableger, die Opioide, koppeln im Gehirn und im Rückenmark an besondere Opioid-Rezeptoren an und hemmen die Nervenzellen und ihre Erregbarkeit. Sie nehmen unter Einfluss der Wirkstoffe Schmerznachrichten des peripheren Nervensystems gar nicht mehr oder nur noch mit geringer Empfindlichkeit auf und leiten Nervenimpulse weniger stark bis gar nicht mehr weiter.

Nervenschmerzen sollten behandelt werden, denn sonst kann es passieren, dass der Körper ein sogenanntes Schmerzgedächtnis entwickelt.  Tut man nichts gegen den Schmerz, sind die betroffenen Nervenbahnen ununterbrochen einer Reizung ausgesetzt. Die Nervenzellen reagieren dann immer heftiger und senden unentwegt Schmerzsignale, sogar auch dann, wenn der Reiz gar nicht mehr vorhanden ist.  So wird es zwangsläufig immer schwerer ein wirksames Medikament zu finden,

Wir hoffen, dass alle Anwesenden gut informiert den Weg nach Hause fanden und den Tag in angenehmer Erinnerung behalten.

Mechthild Modick, Heinz-Dieter Campa und Sabine Nett

Bildquelle https://www.intercityhotel.com/hotels/alle-hotels/deutschland/hamburg/intercityhotel-hamburg-dammtor-messe

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