Elektroneurographie

von | 26.02.18 | A-Z

Zu den Untersuchungen, die bei CIDP durchgeführt werden, gehört die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit mittels Elektroneurographie. Dabei wird nach elektrischer Reizung eines peripheren Nervs die Geschwindigkeit gemessen, mit der sich das erzeugte Signal entlang der Nerven fortpflanzt.

Das Grundprinzip besteht darin, einen Nerv mittels eines kurzen (0,1–2,0 ms) elektrischen Impulses zu reizen. Dadurch kommt es zur Spannungsänderung des Nervs. Diese Reaktion wird in beide Richtungen über die Nervenfaser (Axon) weitergeleitet und kann entlang des Nervs gemessen werden. Es werden gleichzeitig sehr viele Nervenfasern gereizt. Die Nervenleitgeschwindigkeit der am schnellsten leitenden Fasern wird angegeben.

Die Reiz- und die Ableitelektrode werden zu Beginn der Untersuchung befestigt. Nach der elektrischen Impulsabgabe an der Reizelektrode wird die Zeit gemessen, die der Nerv braucht, um den Impuls bis zur Ableitelektrode zu leiten. Aus dem Abstand der Elektroden und der ermittelten Leitungszeit kann nun die Leitgeschwindigkeit der Nerven berechnet werden.

  1. Elektroneurographie bei motorischen (für die Bewegung) Nerven

Motorische Nerven sind solche, die vom Gehirn aus zu Muskeln verlaufen und die Bewegungen des Körpers steuern. Der Nerv wird durch eine Hautelektrode gereizt und der elektrische Spannungsunterschied breitet sich in beide Richtungen der Nerven aus.

Wenn Nerv und Muskel intakt sind, kommt es zu einer Kontraktion des Muskels. Die Nervenleitgeschwindigkeit wird aus der Zeitdifferenz der Spannung zwischen der ersten und der zweiten Elektrode gemessen. Zusätzlich werden bei der Elektroneurographie häufig noch die Stärke der Muskelkontraktion als auch die Stärke des elektrischen Potentials, welches am Muskel ankommt, gemessen. Je stärker die muskuläre Antwort, desto höher die Amplitude (das sind die Spitzen, die am Monitor erkennbar sind). Die Amplitude ist ein Maß für die Reizübertragung der Nerven an den Muskel. Viele funktionsfähige Nervenfasern führen zu einer hohen Amplitude. Sind die Nervenfasern eingeschränkt oder zerstört, wird die Amplitude klein.

  1. Elektroneurographie bei sensiblen (für das Gefühl) Nerven

Sensible Nerven leiten Reize beispielsweise von der Haut zum Gehirn weiter, so merken wir, wenn ein Gegenstand zu heiß ist. Sinneszellen in der Haut sind mit Nerven verknüpft, die das Signal ins Gehirn weiterleiten. Wie bei der Untersuchung der motorischen Nerven werden die sensiblen Nerven durch eine oberflächliche Hautelektrode gereizt. Und ebenso kann die Nervenleitgeschwindigkeit sowie die Stärke des Signals berechnet werden.

Die verschiedenen Nerven haben eine unterschiedliche Leitgeschwindigkeit. Diese hängt von der Dicke der Nerven, der Gewebetemperatur und der Myelinisierung der Nerven ab (Myelin umgibt den Nerv als eine Art Isolierschicht). Die Messergebnisse liegen normalerweise im Tausendstel-Sekunden-Bereich, sodass für die Nerven des Arms Leitgeschwindigkeiten von >45 m/s normal sind und die Normwerte für die Unterschenkelnerven bei >40 m/s liegen.

40 Meter pro Sekunde entspricht 144 Kilometern pro Stunde. Es gibt noch einige Nerven, die schneller leiten.

F-Wellen

Nach einer elektrischen Reizung motorischer Nerven wird der Impuls in beide Richtungen weitergeleitet. In Rückenmarknähe erfolgt eine Erregung von Motoneuronen. Dies löst dann eine zweite, verspätete Muskelantwort (die F-Welle) aus. Die Latenz (Verzögerung) zwischen elektrischem Reiz und Antwort liegt bei 25-32ms für gesunde Nerven der oberen Extremitäten. Die Untersuchungsmethode erlaubt Aussagen zu dem gemessenen Nerven auf seiner gesamten Länge.