Fatigue und Depression – Verhilft das Coenzym Q10 zu einem neuen Gesundheitsgefühl?

Sabine Nett

Die Forschung zu Coenzym Q10 (CoQ10) liefert Einblicke, die weit über die bekannte „Herz-Energie“-Wirkung hinausgehen. So gibt es verschiedene Studien, die sich mit den Auswirkungen auf die Symptome von Depressionen, Fatigue und Chronischer Erschöpfung (ME/CFS) beschäftigen.

Auswirkungen von Q10 auf Depression und Fatigue bei MS

Im Rahmen einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie von 2015 wurde untersucht, ob eine Supplementierung von 500 mg CoQ10 pro Tag zu einer Verbesserung von Fatigue und Depressionen bei Patienten mit Multipler Sklerose führen kann. Über einen Zeitraum von 12 Wochen erhielten Personen mit MS entweder 500 mg CoQ10 pro Tag oder ein Placebo. In der Gruppe, die CoQ10 erhielt, war eine klare Verbesserung sowohl der Fatigue- als auch der Depressionssymptomatik und in der Kontrollgruppe eine deutliche Verschlechterung zu bemerken.[1]

CoQ10 als potenzielle Zusatztherapie bei Depressionen

2024 widmete sich eine achtwöchige Studie dem Potenzial von CoQ10 als Zusatztherapie für Patienten mit Depressionen. Dabei wurden 69 Personen mit leichten und schweren Depressionen randomisiert in zwei Gruppen aufgeteilt, eine erhielt 200mg CoQ10 täglich, die andere ein Placebo. Nach 8 Wochen war in der ersten Gruppe eine statistisch signifikante Verringerung der depressiven Symptome im Vergleich zum Studienbeginn festzustellen. In der Placebogruppe gab es keine signifikante Reduktion der Symptome. Zusätzlich war in der CoQ10-Gruppe eine Verringerung einiger Entzündungsmarker messbar, die in der Placebogruppe nicht beobachtet wurde.[2]

Effekte von CoQ10 Supplementierung auf Depressionen und Fatigue (als primäre Erkrankung und als Begleiterkrankung bei MS, PCOS und Brustkrebs)

Ein aktueller systematischer Review mit Metaanalyse über fünf Studien legt ebenfalls nahe, dass Coenzym Q10 Einfluss auf die Symptome von Depressionen haben kann.[3] In den betrachteten Studien wurde die Einnahme von CoQ10 bei Depressionen als Folgeerkrankung in Verbindung mit MS, PCOS und Brustkrebs und als eigenständige Erkrankung untersucht. Es konnte in allen einbezogenen Studien eine deutliche Verringerung der depressiven Symptome festgehalten werden. „Die Autoren schließen, dass die Nahrungsergänzung mit Coenzym Q10 demnach in moderatem Maße depressive Symptome lindern kann,“ so das deutsche Gesundheitsportal[4]. Eine eindeutige Auswirkung auf Fatigue konnte dieser Metaanalyse allerdings nicht entnommen werden.  

CoQ10 bei ME/CFS

Eine kleine beobachtende Studie aus 2009 beschäftigte sich mit dem Zusammenhang eines niedrigen CoQ10 Spiegels und ME/CFS[5]. Dabei wurden die CoQ10-Werte von 58 Personen mit der Diagnose ME/CFS mit denen von 22 gesunden Personen verglichen. Die ME/CFS-Gruppe wies deutlich niedrigere Werte auf. Außerdem stellte die Studie einen Zusammenhang zwischen besonders niedrigen CoQ10-Werten und Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen her. Die durchführenden Wissenschaftler schlussfolgerten, dass eine Nahrungsergänzung mit CoQ10 hilfreich für Patienten mit ME/CFS sein kann.

Da NADH ebenfalls eine Rolle in der ATP-Produktion im Körper spielt, erhielten in einer Studie aus 2012 207 Patienten mit ME/CFS, in einem 12-wöchigen Versuch, entweder 200 mg CoQ10 und 20 mg NADH täglich oder ein Placebo. Die durchführenden Wissenschaftler stellten eine deutliche Verringerung der empfundenen kognitiven Erschöpfung, eine Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, sowie der Schlafqualität in der CoQ10 + NADH-Gruppe fest.[6]

Wissenswertes zu CoQ10

Mitochondrien sind die „Kraftwerke“ unserer Zellen. Diese winzigen Organellen wandeln Nährstoffe aus der Nahrung (wie Fette und Kohlenhydrate) in ATP (Adenosintriphosphat) um – den universellen Treibstoff, den der Körper für alle Prozesse benötigt. Innerhalb der Mitochondrien fungiert Q10 als ein essenzielles Bindeglied in der sogenannten Atmungskette. Es transportiert Elektronen und ermöglicht so erst die effiziente Produktion von ATP. Q10 wirkt direkt in der Mitochondrienmembran als starkes Antioxidans. Es neutralisiert aggressive Sauerstoffverbindungen und schützt die Mitochondrien vor oxidativem Stress und vorzeitiger Alterung. Q10 trägt zur Stabilität und Funktionsfähigkeit der mitochondrialen Membranen bei, was die allgemeine Vitalität der Zelle erhöht.[7] Einige Studien deuten darauf hin, dass Q10 Entzündungsstoffe (Zytokine) reduzieren kann[8]. Neben der möglichen Besserung von Symptomen von Depressionen und Fatigue, könnte auch die antientzündliche Wirkung bei Autoimmunerkrankungen unterstützend sein.

Der Körper stellt Q10 selbst her, nimmt es aber auch über die Nahrung auf (ca. 3–6 mg pro Tag). Besonders viel steckt in tierischen Produkten: Innereien (Herz, Leber), Muskelfleisch, fetter Fisch (Sardinen, Makrelen), Eier. Aber es gibt auch pflanzliche Quellen: Nüsse (Walnüsse, Pistazien), Hülsenfrüchte (Sojabohnen), Weizenkeime, hochwertige Öle (Rapsöl, Olivenöl).

Q10 als Nahrungsergänzungsmittel könnte zu Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten, einer Senkung des Blutdrucks oder einer Senkung des Blutzuckerspiegels führen. Deshalb sollte eine Einnahme mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin abgesprochen werden.


[1] Sanoobar M, Dehghan P, Khalili M, Azimi A, Seifar F. Coenzyme Q10 as a treatment for fatigue and depression in multiple sclerosis patients: A double blind randomized clinical trial. Nutr Neurosci. 2016;19(3):138-43. doi: 10.1179/1476830515Y.0000000002. Epub 2015 Jan 20. PMID: 25603363. www.pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25603363/

[2] Majmasanaye M, Mehrpooya M, Amiri H, Eshraghi A. “Discovering the Potential Value of Coenzyme Q10 as an Adjuvant Treatment in Patients With Depression”. J Clin Psychopharmacol. 2024 May-Jun 01;44(3):232-239. doi: 10.1097/JCP.0000000000001845. PMID: 38684047, www.pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38684047/  

[3] Magalhães PLM, da Silva AMP, Maximiano MLB, Fernandes JVA, Amaral DC, Fortes AAT, Filho HNF, Silva LO, Teixeira BDDS, Franco ES, Maia MBS. Effects of Coenzyme Q10 Supplementation on Depressive Symptoms and Fatigue: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. J Clin Psychopharmacol. 2026 Jan-Feb 01;46(1):93-100. doi: 10.1097/JCP.0000000000002112. Epub 2025 Nov 26. PMID: 41294251. www.pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41294251/

[4] Deutsches Gesundheitsportal, „Nahrungsergänzung Coenzym Q10 bei Depression“, 08.04.2026, www.deutschesgesundheitsportal.de/2026/04/08/nahrungsergaenzung-coenzym-q10-bei-depression/?utm_source=DGP_Fachletter_Institutionen_2018-07-05&utm_medium=E-Mail&utm_campaign=DGP_Fachletter_Institutionen (zuletzt aufgerufen: 09.04.2026).

[5] Maes M, Mihaylova I, Kubera M, Uytterhoeven M, Vrydags N, Bosmans E. Coenzyme Q10 deficiency in myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue syndrome (ME/CFS) is related to fatigue, autonomic and neurocognitive symptoms and is another risk factor explaining the early mortality in ME/CFS due to cardiovascular disorder. Neuro Endocrinol Lett. 2009;30(4):470-6. PMID: 20010505. www.pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20010505/ (zuletzt aufgerufen: 10.04.2026).

[6] Castro-Marrero, J., Segundo, M. J., Lacasa, M., Martinez-Martinez, A., Sentañes, R. S., & Alegre-Martin, J. (2021). Effect of Dietary Coenzyme Q10 Plus NADH Supplementation on Fatigue Perception and Health-Related Quality of Life in Individuals with Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome: A Prospective, Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial. Nutrients13(8), 2658. https://doi.org/10.3390/nu13082658

[7] Bundesinstitut für Risikobewertung, „Coenzym Q10: Was ist über gesundheitliche Risiken bekannt – und was nicht?“ (10.11.2023), Webseite des Bundesinstituts für Risikobewertung, www.bfr.bund.de/fragen-und-antworten/thema/coenzym-q10-was-ist-ueber-gesundheitliche-risiken-bekannt-und-was-nicht/ (zuletzt aufgerufen 09.04.2026).

[8] Zhai J, Bo Y, Lu Y, Liu C, Zhang L. Effects of Coenzyme Q10 on Markers of Inflammation: A Systematic Review and Meta-Analysis. PLoS One. 2017 Jan 26;12(1):e0170172. doi: 10.1371/journal.pone.0170172. PMID: 28125601; PMCID: PMC5268485. www.pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28125601/